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Die Zeit der Unterscheidungen ist vorbei, das System hat sie überwunden.
Wer sie in unseren Tagen liebt, ist ein Sonderling, dessen Seele an etwas
längst Vergangenem hängt.
Sören Kierkegaard - Der Begriff Angst
So if you can balance those ideas in a way that is pleasing to the eye,
than you got a logo.
Martin Scorsese - Cape Fear
Die Fenster sind verbrettert. Zugenagelt. Hier gibt es nichts zu sehen.
Die verbarrikadierten Fenster zeugen von einem verlassenen, vielleicht
aufgegebenen Ort. Was verbirgt sich hinter diesen Planken? Warum musste
hier jemand aufbrechen und etwas neues suchen? Ob jemand zurückkehren
wird? Vielleicht sogar schon im nächsten Augenblick?Die suggestive
Kraft der Bilder verleitet dazu, die Verlassenheit des Ortes und die Undurchsichtigkeit
des Augenblicks zu spüren. Sie verweisen darauf, dass etwas passiert
sein muss. Und sie lassen ahnen, dass noch etwas folgen könnte.
Das abweisende und verbretterte Fenster entwirft ein Paradox: Vereint
sind die visuelle Präsenz des gemalten Bildes und dessen Aussage,
dass es hier nichts zu sehen gibt, dass hier etwas verborgen werden soll.
Indem uns der Blick ins Innere, ins Dahinter verwehrt bleibt, werden wir
auf die malerische Oberfläche zurückgeworfen. Die Planken sind
mit schnellem Strich entworfen, und doch bestechen sie durch ihre mit
Nagelköpfen gezierte Maserung, durch ihren realistisch konturierten
Schattenwurf.
Dass es Fenster sind, die hier zugenagelt sind, werden wir vielleicht
erst durch den zweiten Blick, oder aber durch die Titel der Bilder erfahren.
Denn die Bildkomposition verzichtet auf ein entscheidendes Moment - den
Rahmen des Fensters, der auch gleichzeitig der Rahmen des Bildes sein
könnte. An seiner Stelle verläuft die Farbe ins Nichts, oder
aber die Planken drohen ihn zu sprengen, indem sie über ihn hinausreichen.
Der Rahmen, der das Bild vom Raum der Kunst und darüber hinaus von
unserer Alltagswelt abgrenzt, schützt es selbst vor seiner eigenen
Profanisierung. Indem Markus Willeke die klassische Begrenzung des Bildraumes
thematisiert, reflektiert er die Beständigkeit und Auflösung
von Rahmungen, die unsere Bilder einfassen und unser Weltverständnis
prägen. So ist das Kunstwerk nicht mehr jene "imaginäre
Insel, die rings von Wirklichkeit umbrandet ist" (Ortega y Gasset),
denn der trügerische Schein des Bildes weist nun in die Wirklichkeit,
ebenso wie diese in das Bild hineingezogen wird. Indem uns der Rahmen
entzogen wird, droht das unserem Blickfeld entzogene Nicht-Dargestellte
und Nicht-Präsente in den Bildraum einzudringen.
Nah verwandt mit Fenstern sind Türen. Auf manchen sind Warnungen
zu finden, nicht einzutreten, oder sie sind mit Holzplanken verriegelt.
Einige zeigen ihren Rahmen, andere nicht. Eine haptische Qualität
gewinnen Türhebel und Klinken, Sicherheitsschlösser und Riegel.
Die Macht des Bildes provoziert den Wunsch, die Klinke benutzen zu wollen
und die Tür zu öffnen, doch bleibt uns diese Möglichkeit
verwehrt. Tatsächlich verschränken sich hier eine politische
und künstlerische Aussage: Die Macht des Bildes stellt die Frage
nach der Freiheit des Betrachters. Während in der klassischen Malerei
wohl mehr offene Türen und Fenster zu finden sind, die uns einen
Ausblick ermöglichen und die eine besondere Tiefenillusion des zweidimensionalen
Bildes erzeugen, konfrontiert uns Willeke mit der farbigen, nahezu monochromen
Bildfläche. Wir können uns in den malerischen Strukturen kontemplativ
verlieren, während uns das Nichtwissen über das Dahinter in
eine latente Unruhe versetzt. Zu finden ist hier eine Absage gegenüber
Positionsbestimmungen, wie man sie etwa in Clement Greenbergs "Towards
a Newer Laocoon" (1940) und in "Modernist Painting" (1960)
findet, der als wichtiger Theoretiker des amerikanischen abstrakten Expressionismus
von Pollock über de Kooning bis hin zu Rothko gilt.
Gegen die dort proklamierte klassische Reinheit und Autonomie der Malerei
formuliert sich bei Willeke neuer, aber von Sympathie geprägter Widerstand.
Denn Malerei kann "puristisch" sein, doch muss sie keinesfalls
"rein" sein. Abstraktion und Realismus sind für Markus
Willeke keine Widersprüche. Und der von Greenberg behaupteten Autonomie
der Künste setzt Willeke eine konsequente Intermedialität entgegen,
denn für ihn lässt sich die spezifische Ausdruckskraft der Malerei
erst in ihrer Differenz zu anderen Künsten, insbesondere der Filmkunst
ausloten.
So verrät uns der verwehrte und gleichzeitig einforderte Blick auf
die abweisenden Fenster und Türen viel über die Malerei von
Markus Willeke: Seine Bilder zeigen Ränder und Grenzen, die Übergänge,
Traversen und Schwellen zwischen unseren vermeintlich gesicherten Alltagsräumen
und ihrer latenten Bedrohung und Verstörung, nicht zuletzt durch
die Kunst selbst. In ihrer visuellen Materialität zeugen sie von
einer unheimlichen Präsenz eines abwesenden Anderen.
Im Raum der Bilder - Das Unheimliche
Nach dem wir erste Hindernisse überwunden haben, lässt Markus
Willeke uns einsteigen.
Ein Bilderzyklus zeigt Schulbusse in amerikanischen Landschaften, mythisch
gehüllt in gelb-rotes Licht. Der Schulbus gehört sicherlich
zu den stereotypisch wiederkehrenden Karossen des amerikanischen Films,
er öffnet seine Türen mit einem ächzenden, hydraulischen
Vibrieren. Selten sind Schulbusse bis auf den letzten Platz besetzt. Es
ist noch Raum da, es sind noch Sitzplätze frei. In Willekes Bildern
gerät das Erhabene der Natur in einen Kampf mit einer altertümlich
wirkenden Technik, die uns abholen und fortbringen soll. Aus der Wüste,
aus den Vorstädten, sollen wir in die nächsten Stätten
der Zivilisation gebracht werden. Der Schulbus bringt uns zu einem sozialen
Ort, an dem wir Praktiken der Kommunikation einüben, Prüfungen
ausgesetzt und konditioniert werden und uns als soziale Wesen behaupten
müssen. So symbolisiert der Schulbus eine Schwelle zwischen einem
einsamen und einem gemeinsamen Leben, zwischen Kindheit und Erwachsenwerden,
zwischen Individuum und Gesellschaft.
Kurz nach dem Ersten Weltkrieg schreibt Sigmund Freud 1919 über
das Unheimliche, welches er als das ehemals Altvertraute und Heimliche
entziffert. Doch Freuds Schrift handelt nicht nur von Angstzuständen
und ihren Verdrängungen. Vielmehr ist es auch eine Schrift über
die zeitgenössische Ästhetik, der er vorwirft, sich nur den
"schönen, großartigen, anziehenden Gefühlsarten"
zu widmen. Um dem Unheimlichen nachzuspüren, müssen wir uns
in die Ästhetik des Horrors und des Fantastischen versenken.
Das Anästhetische hat mittlerweile seinen sicheren Ort in der Kunst
gefunden. Doch in Markus Willekes Bildern werden wir nicht direkt mit
dem Grauen konfrontiert, sondern es zeigt sich von seiner subtilen Seite.
Viele Bilder von Willeke haben ihre Referenz im Genre des Horrorfilms.
Doch die Eruption der Gewalt bekommen wir nicht zu sehen. Sie wird angedeutet.
Waren es in früheren Bildern jene brutal wirkenden Autokarosserien,
wo wir hinter roten Schlusslichtern in verschlossenen Kofferräumen
verstörte und halbtote Opfer vermuten mussten - zeigt er uns heute
unschuldige Schulbusse, mit denen Kinder abgeholt werden. Die Schule ist
uns als Ort des Grauens bestens vertraut - seit den Bildern von der Colombine
Highschool und Erfurt hat dies freilich eine tragische Aktualität
gewonnen. Im Schulbus zu sitzen, heißt, sich von den Dingen zu trennen,
die vertraut sind. Im Bus zu sitzen, umfasst eine Zeit des Wartens und
der Anspannung, was da kommen mag. Während das Innere dieser betagten
Gefährte nicht gezeigt wird, lässt ihre Frontalansicht an die
Mimik eines Gesichts denken. Durchsichtige Fensteraugen, die unseren Blick
in das unbehagende Nichts des Innen lenken und einen horror vacui auszulösen
vermögen. Stoßstangen mutieren zu einem gefräßigen
Grinsen, mit dem der Bauch aus Blech gefüllt werden will. Jeepers
Creepers!
In Willekes Bildern wird nicht der Mord gezeigt, nicht das verzerrt dahingestreckte
Opfer, weder die abgehackte Hand noch das malträtierte Auge. Nicht
das, was der Horrorfilm zeigt, wenn er sich der Zerstückelung des
Körpers in einer gewalttätigen Moderne widmet. Vielmehr widmet
sich Willeke den Barrieren, etwa den Absperrbändern, die bei der
künstlerischen Umsetzung ihre im Wind flatternde Flexibilität
gegen eine starre Rahmenlatte eingetauscht haben. Sie verhindern, dass
wir jene grauenerregenden Szenerien zu sehen bekommen. Seine Kunst stellt
die Realität nicht zur Schau, sondern zeigt uns, wie wir dem Schrecken
tagtäglich begegnen. So findet Markus Willeke auf paradoxe Weise
in Horrorfilmen jene ethische Grenze des Darstellbaren, die uns vor dem
Weiterschauen warnt. Doch indem wir das Bild betrachtet haben, sind wir
dem Tatort bedenklich nahe gekommen.
Motion Pictures - Flüssiges
Markus Willeke findet immer wieder Motive, die etwas über den Ort
und das Wirken der Kunst verraten, welche sich erst in ihrem Gemacht-sein
zeigt. Schauen wir aufs Wasser: Wir finden es in frühen Strandbildern
und Seeschlachten, im gefrorenen Zustand im Southpark-Zyklus, in den Schwimmbädern
und Surfbildern, aber auch in den sich wiederkehrenden, sich verflüssigenden
Schriftzügen. Das Wasser ist jenes Milieu, aus dem man "die
Bewegung des Bewegten oder die Beweglichkeit der Bewegung selbst gewinnen
kann" (Deleuze), und so nutzt Willeke es zur Transformation der filmischen
Bewegung bei der Suche nach rhythmischer Gestaltung. Sein Umgang mit der
Aquarelltechnik demonstriert die Eigenwilligkeit der wässrigen Farbe,
die während der malerischen Prozesses keinesfalls vollends beherrscht
werden soll. So liegt das Flüssige im Clinch mit dem Realistischen
und zeigt seine Affinität zum Abstrakten. Im Flüssigen ist darüber
hinaus das Flüchtige seiner Malerei zu erkennen: Während wir
mit gleitendem Auge über die Bildflächen surfen, erfahren wir
den Moment eines Augenblicks.
In Markus Willekes Arbeiten wird die Scheidelinie zwischen Wasser und
Land, zwischen chloriertem Wasser und Beckenrand zum Ort eines sozialen
Dramas: Davon zeugen jene an die Südseebilder Paul Gaugins erinnernden,
primitiv stilisierten Surfer, die stolz ihre Bretter präsentieren,
mit denen sie zuvor den Naturgewalten getrotzt haben. Die Vorstellung
paradiesischer Welten ist mit der Herausforderung und Bezwingung der Natur
aufs Engste verknüpft: Nichts anderes finden wir bei einem Maler,
der zeigt, wie er mit der Materialität der Dinge konfrontiert ist.
Was passiert nun bei der malerischen Transformation des filmischen Bewegungs-Bildes?
Keinesfalls müssen wir die filmischen Referenzen kennen, um die Bilder
mit Geschichten zu füllen. Vielmehr bleibt die malerische Komposition
auffällig unabhängig von den filmischen Narrativen. Zudem werden
die Motive erst durch die Bildkomposition aus verschiedenen Filmen und
Fotos zusammengeführt.
Markus Willeke orientiert sich, so scheint es, kaum am fotographischen
Filmstill, nicht an der Momentaufnahme. Denn durch die Fortsetzung dieser
Stillstellung einer filmischen Sequenz würde sich sein Anliegen,
die Grenze zwischen dem Bewegungs-Bild des Films und dem spezifischen
Zeit-Bild der Malerei auszuloten, kaum verwirklichen lassen. Zu sehen
ist die Totale, die aus ihrer narrativen Sequenz isoliert wurde, andernorts
wird das unscheinbare Detail im Filmbild gesucht und hervorgehoben. Die
Zeit des bewegten Filmbildes wird durch die Malerei einerseits stillgestellt,
Bewegung und Handlung des geometrischen Filmraumes werden in einen rein
optischen Zusammenhang verwandelt. Andererseits bleibt jedoch durch den
sichtbaren Malprozess die Affinität zum Film erhalten, indem das
Kunstwerk als ein Bewegungskontinuum erfahrbar bleibt. Erst in den einzelnen
Bilderzyklen begegnet uns wieder jene filmische Narrativität, als
wenn uns etwas wie im Zeitraffer aus verschiedenen Perspektiven gezeigt
wird, oder aber das Surfen in seinen wesentlichen Momenten fixiert wird.
Beim Anblicken von Willekes Bildern ist es möglich, dass uns etwas
widerfährt. Seine Bilder erzeugen ihre Wirkung, indem sie an einer
Phänomenologie der Angst arbeiten und filmische Konzepte wie suspense
und thrill in die Malerei und auf die gespannte Leinwand übertragen.
Beide Zustände beruhen auf einem Spiel mit der Angst und der gleichzeitigen
Lust am Schauen, sie basieren auf der zeitlichen Differenz von Jetzt und
Noch-Nicht, auf einer emotionalen Nähe und einer sich ankündigenden
Gefahr. Suspense ergibt sich aus einer sich bedrohlich ankündigenden
Unsicherheit, aus einer bislang noch uneingelösten Information. We
Will Hurt You - Go Away - Beach Closed - Crime Szene. Do Not Cross. Nicht
weniger bedrohlich: Alive Inside.
Während man den Zeitfluss einer literarischen oder filmischen Erzählung
verengen, beschleunigen, oder zum Stillstand bringen kann, birgt die Malerei
andere Möglichkeiten, den Raum in Bewegung zu versetzen und damit
Zeitlichkeit zu erzeugen. Klassischer Weise bewirkt die zweidimensionale
Darstellung im Bild eine Gegenwärtigkeit der Dinge und privilegiert
eine Simultanität der Ereignisse, die in eine partielle Aufhebung
der Zeit und eine mythisch-sakrale außerzeitliche Präsenz mündet.
Der Gestus von Willekes Bildern entwirft hingegen in den sichtbaren Spuren
des Farbauftrags eine eigene Grammatik. Sie ist in der Lage, im Raumkontinuum
der Leinwand eine neue narrative und zeitliche Dimension zu entwickeln,
bis die Bilder anfangen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.
Das Logo
Während der Kunstbetrachter den white cube betritt, wird der Kinosaal
verdunkelt. Die Moderne hat abgeschottete, konventionelle Räume erschaffen,
um uns mit dem Künstlerischen, dem Fiktionalen und dem Fantastischen
zu konfrontieren.
Im Zuge von Markus Willekes Auseinandersetzung mit dem künstlerischen
Werkbegriff und der Autorschaft werden aus dem filmischen Universum die
Film-Logos der Hollywoodstudios als Signaturen der Massenkultur interessant.
Willeke macht uns auf ein Phänomen aufmerksam, welches nach wenigen
Sekunden vorbei ist. Schon im Vorspann der verschiedenen Filmgesellschaften
wird die Räumlichkeit des Filmbildes beschworen. Die im weitgehend
Leeren rotierende Weltkugel der Universal, der gebäudeähnlich
in die Tiefe des Raums aufgetürmte und von Flakscheinwerfern umzielte
Schriftzug 20th Century Fox, oder aber der Flug durch den planetaren Raum,
den die Constantin, die Gaumont und andere Firmen zu ihrem Markenzeichen
gemacht haben, nehmen die Raumillusion der filmischen Bilder vorweg und
stimmen das Publikum auf die spezifische Tiefenillusion des Mediums ein.
Das Film-Logo dient als psychologische Schleuse, die uns aus der Alltagswelt
in das fiktionale, filmische Universum führt. Beginnend mit der Konvention
des Logos, machen wir uns für die Dauer der Erzählung die Perspektive
des Regisseurs und der Film-Unternehmen zu eigen. Die Dynamik dieser filmischen
Paratexte (Genette), unterlegt mit Fanfarenstößen, werden bei
Willeke malerisch transformiert.
Gleichzeitig verweist uns der Künstler auf die intermediale Referenz
der Film-Logos, da diese in Bewegung gesetzte Malerei waren, bevor sie
am Computer animiert wurden. Um die Autonomie des filmischen Universums
und die Fiktionalität der filmischen Erzählung anzukündigen,
setzen die Film-Logos auf die mediale Differenz und die Ausdruckskraft
der Malerei. So muss sich auch die Malerei neu behaupten, indem sie sich
mit der filmischen Komposition auseinandersetzt.
Die Film-Logos als eingetragene Warenzeichen Hollywoods erzählen
davon, wie die Studios selbst gesehen werden wollen. Der Paramount steht
für Stabilität, etwa in einer durch vorbeiziehende Wolken stilisierten,
oder aber von einer Kamerafahrt inszenierten bewegten Welt. Das Wappen
von Warner Brothers ist ein Familienzeichen, wodurch Tradition angedeutet
wird, die auf die Kontinuität der Zeit im Bewegungsbild hinweist.
Die Universal Studios sind hingegen wenig bescheiden: Sie geben vor, mit
der Universalsprache Hollywoods die ganze Welt abbilden zu können.
Eine Universalsprache zu sprechen, heißt eine Sprache ohne kulturelle
Codierung zu erfinden. Während das klassische Hollywoodkino seinen
Code, seine Gemachtheit verleugnete, werden wir heute mit jeder DVD und
ihren typisierten Making-Offs auf diesen verwiesen. Nochmals soll uns
anscheinend die Differenz zu unseren Alltagswelten augenfällig werden:
Die einsäumende Zähmung des Fantastischen hat eine neue Äußerungsform
gefunden.
Dabei sind die Logos der Film-Companies keinesfalls stabil, sondern verändern
sich im Laufe der Zeit mit den technischen Möglichkeiten und verweisen
ihrerseits selbst auf den Film. So werden sie immer wieder neuen Verfremdungen
ausgesetzt: In Kevin Reynolds Waterwold (1995) wird das Universal-Logo
in ein Wasserspiel verwandelt, die Polklappen des Universal-Globus schmelzen
ab, lassen die Kontinente verschwinden und liefern schon damit die Vorgeschichte
des Fantasy-Abenteuers. Der Paramount in den Indiana Jones Filmen von
Steven Spielberg geht von dem gemalten Bergmassiv des Logos in einen realen
Filmberg über. In Richard Donners Conspiracy Theory (1997) finden
wir ein Warner-Logo, welches nach wenigen Sekunden als Reklame auf einem
Bus davon fährt.
Filme fangen an und hören auf, entscheidend ist dabei das wie des
Übergangs. Manche Filme - der Film, der sich vor unseren Augen abspielt
- scheinen nie zu Ende zu gehen. In der von Woody Woodpecker hinterlassenen
runden Einkerbung, die sich bald zur Kamera-Linse verwandelt und deren
Blende sich langsam schließen wird, ist letztmalig eine imaginäre
und vertraut gewordene Landschaft zu sehen, die mit einem überblendeten
The End abschließen wird. Im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit,
im Zuge von Readymades, Popart und Kunstmarkt haben sich der Begriff des
Kunstwerks und der künstlerischen Autonomie aufgelöst. Das Kunstwerk
wird zu einem Warenzeichen, zur eingetragenen Trademark. Markus Willekes
malerischen Reflexionen über den Ort der zeitgenössischen Malerei
in den Bilderwelten der Massenkultur führen ihn zu den Sequenzen
des Anfangs und des Endes und finden ihre eigene Mitte. Mit einer ebenso
ironischen wie selbstbewussten Geste wird seine Malerei selbst zum Logo.
Achim Saupe, Berlin 2008
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